Zwischen Bären und Beeren (Ucluelet)

Gerade habe ich noch gesagt: „Wenn ich ein Bär wäre, würde ich mich hier zwischen die Salmon-Beeries setzen und den ganzen Tag Beeren essen.” Plötzlich knackt, raschelt, wackelt es und ich sehe einen Bär zwischen den Beeren sitzen und die ganzen Beeren fressen. Er hat sich wirklich einen super Platz ausgesucht, denn an der Straße erstrecken sich meterweit die Salmon-Beerensträucher.

Natürliche Bärentatzen

Wahrscheinlich habe ich Glück gehabt. Ein paar Minuten vor dem Bären habe ich nämlich Fotos von den Sträuchern gemacht. Weil ich euch zeigen wollte, dass es orangefarbene Beeren gibt, die wie Himbeeren aussehen und doch ganz anders schmecken. Und dann sitzt da ein paar Meter neben mir ein Bär und genießt seine Beeren. Ich könnte ausrasten vor Freude und Glück!!!!

Tiere in der freien Wildbahn zu sehen und zu erleben ist immer ein „Tränchen des Tages” wert. Es ist der rührende Moment, in denen mir die Tränen in die Augen schießen und nicht genau wissen, wo sie eigentlich hinwollen. Die Welt um mich herum bleibt geduldig stehen, bis ich alles aufnehme und dann beschließe, die Tränchen doch laufen zu lassen.

Salmon-Berry

In den Tagen auf Vancouver Island haben wir mehrfach ein paar Seeadler (einen sogar im Sturzflug), Wale (Orcas, Grauwale), einen amerikanischen Nerz und einen Seeotter gesehen…Vom Boot konnten wir beobachten, wie die Orcas nach der Jagd eine Art Freudentanz machten. Es sah so aus, als würden sie sich ausgelassen mit „Take 5“ abklatschen. Später auf der Tour tauchte ein weiterer Wal, ein Grauwal, neben uns auf und wir hörten ihn atmen.

Einen Abend war ich am Auto und ich dachte, es läuft ein Jogger vorbei. Als ich mich umdrehte, sah ich, dass es ein junger Hirsch war, der gerade an mir vorbei gejoggt war. Ich habe keine Fragen mehr…

Ucluelet ist der Ort, dessen Name niemand aussprechen kann. Deswegen sagen die meisten Einwohner Ukee und selbst das Visitor Centre schlägt diese Abkürzung vor. In seiner vollständigen Form ausgesprochen klingt Ucluelet wie: “You-clue-let”. Ukee ist ein kleines Örtchen in der Nähe von Tofino. Geschichte und Kultur der First Nations gehen hier auf beeindruckende 10.000 Jahre zurück.

Ukee ist sehr klein und trotzdem gibt es soviel zu entdecken. Überall wachsen Beeren, die an unsere Blaubeeren, Himbeeren und Brombeeren erinnern. Natürlich heißen sie anders: Salmon Berries (heißen so, weil die Blüte die Lachsströme ankündigen), Thimbelberries (sehen ein bisschen wie Himbeeren aus und sollen zusätzlich zum Himbeergeschmack auch nach Erdbeeren schmecken)…

Wusstet ihr, dass man die jungen Sprossen von Fichten auch essen kann? Ihr Vitamin C-Gehalt soll sehr hoch sein. Dann gibt es noch eine Pflanze, deren Blätter noch weicher als 5-lagiges Toilettenpapier sind. Wäre diese Pflanze doch nur während des Lockdowns verfügbar gewesen…

Neulich war ich in einem Urwald, der wirklich ursprünglich war. Teilweise waren die Bäume 800 oder 900 Jahre alt. Alles wuchs kreuz und quer, wie es gerade passte. Überall war Moos und dieses schöne Grün färbte alles warm. Manchmal erklang von irgendwo ein kleines “plopp”. Sonst war es absolut still im Wald. Verwunschen, wunderschöne Stille und wundersam heilig dieser Wald.

Und ein paar Kilometer weiter bist du plötzlich an einem Strand, der endlos weit ist. Im Hintergrund kanadische Nadelbäume, vorne rauschende Wellen, rechts und links unendliche Weite. Mehr muss ich nicht sagen. Mehr kann ich nicht sagen. Unfassbar schön.

Wie schade, dass Vancouver Island unsere letzte Station ist. Noch ein paar Tage Vancouver und das war’s mit dieser tollen Reise, den tausend Bildern und allen Erlebnissen. Ich werde erst einmal alles sacken lassen. Es kommen bestimmt noch ein paar weitere Geschichten hinzu.

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