
Tierscharade
Neulich im Mangrovenwald stellten ein Biologe und wir fest, dass Tiersounds international sind und sie jedermann versteht. So macht zum Beispiel ein kleiner Hund “wauwau” oder ein großer Hund ein tiefes “wuff”. Oder eine Katze eben “miau”. Fakt ist: egal, welche Sprache man spricht, man weiß bei den einschlägigen Geräuschen, welches Tier gemeint ist.
Dieses enorm wichtige Wissen habe ich beim Essen in der Gruppe zum Besten gegeben, was natürlich auf eine Überprüfung hinauslief. So versuchte Hannah ein Schaf nachzuahmen, das sich perfekt nach Ziege anhörte, während ich ernst wie ein Schaf blökte (also ein kurzes tiefes “Mäh”, die Zunge dabei herausstrecken und leicht gelangweilt gucken). By the way: Ich glaube ja, dass Schafe einen extrem trockenen Humor haben müssen. Später versuchte ich mich an einem Brüllaffen. Der Sound war echt schwierig. Ernyk widerum zeigte mir, wie man atmen muss, um wie ein Brüllaffe zu klingen. Man muss während des Einatmens den Sound machen. Dann kamen wir auf einen Hahn, der ja international auch “kikeriki” macht. Dachten wir. Stimmt aber nicht. Denn die amerikanischen Hähne machen “kukeriku “. Also sind das Hähne mit Akzent.
Auf jeden Fall kann ich nun den Brüllaffen nachahmen. Wer will, dem brülle ich gerne zum Beweis ein Begrüßungs-komm-mir-bloß-nicht-in-mein-Revier-Ständchen.

Am nächsten Tag fahren mit einem Shuttle nach Sierpe im Süden. Wir wollen zum nächsten Nationalpark, Corcovado.
Unser Fahrer Ibrahim spricht kein Englisch und wir kein Spanisch. So mixen wir alle Sprachen zusammen, die wir kennen und sprechen über Tiere, weil man aufgrund ihrer internationalen Sounds ja so gut über sie sprechen kann. Und weil es soviele von ihnen in Costa Rica gibt. Unsere Unterhaltung artet in einer Pantomime aus, bei der es manchmal bedenklich ist, dass Ibrahim mit beiden Händen versucht, das Tier zu beschreiben, während er fährt. Wir erraten ein Tier mit Ohren oder Hörnern oder irgendwas anderem auf dem Kopf und wir identifizieren es als Kuh oder Hasen während Ibrahim aber vermutlich etwas anderes meint. Zumindest stimmen unsere Geräusche nicht mit seinem Gesichtsausdruck überein. Jedenfalls ist das Ganze so lustig, dass Ibrahim den dritten Passagier einfach vergisst abzuholen und wir nochmal zurückfahren müssen.
Ich als Hobbi-Ornithologin bin ja immer wieder davon begeistert, welch unterschiedliche Geräusche Vögel machen können. Da gibt es zum Beispiel den “Geh mir nicht auf den Sack”-Vogel, der es schafft, einen einzigen durchdringenden Ton zu fiepen. Er klingt genau wie ein altmodischer Teekocher. Oder die wunderbaren Aras, deren Silhouette man am Himmel fliegen sieht und dabei heiser krächzen hört. Von Nahem habe ich sie noch nie gesehen. Oder die Geier, die still in Gruppen sitzen und sich offensichtlich nichts zu sagen haben. Oder sie kommunizieren ohne Sprache. Das gibt es ja auch.

Den Bellbird kennt ihr ja schon aus Neuseeland. Das ist der R2D2-Vogel, der sich wie eine kaputte Scanner-Kasse anhört oder wie man hierzulande sagt: er klingt wie eine rostige, ungeölte Schaukel. Was ich auch noch sensationell lustig an diesem Vogel finde, ist sein Balzverhalten: Das Männchen hat einen ellenlangen Schnurrbart, den er kopfschüttelnd hin und her wirft, wenn er auf das Weibchen Eindruck machen will. Hat sie angebissen, schleicht er sich an sie heran und brüllt ihr mehrmals seinen rostigen Ton ins Ohr. Welches Mädel kann diesem Flirtversuch schon widerstehen?
Ich frage mich ja immer wieder, was die Vogel für Stimmbänder haben müssen, dass sie so unterschiedliche Geräusche machen können. Wenn ich versuche, diese Geräusche nachzuahmen, lande ich bei einer Art Mundgymnastik, die meine Lippen und Backen so verzerrt, dass es weder schön aussieht noch so klingt. Aber so ein Vogel hat einen unbiegsamen Schnabel. Und dicke Backen kann er auch nicht machen. Wie bekommt er also so faszinierende Töne hin?

Übrigens ist gerade Abend. Es zirpt, quietscht, dingt, bingt und zischt um mich herum. Mittlerweile weiß ich, dass die meisten Vögel nachts schlafen. Aber stellt euch mal vor, was wäre, wenn die Frösche und Vögel wüssten, dass sie ähnliche Geräusche machen…und sie beschlössen, eine Riesenparty zu veranstalten?
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Danke, Danke, Danke. Super Berichte.