
Kling Glöckchen klingeling
Was die Vorbereitung betrifft, so sind wir für die Rockies und die hiesigen Bären bestens ausgestattet. Wir verfügen über Bärenspray, die passende Gürteltasche und über Ziptüten, die auch in die kanadische Armee nutzt, um ihr Essen zu verstauen.
Wir wissen sogar, wie wir erkennen können, was den Bären so umtreibt, wenn wir ihm begegnen. Ob er uns wohl gesonnen, total desinteressiert, einfach nur neugierig oder er sich gar bedroht fühlt. Und vor allem wissen wir, wie WIR auf jegliche Gefühlsregung des Bären reagieren sollten, könnten, müssten.

Denn der nette Mitarbeiter aus dem Treckingshop hat sich ausreichend Zeit für uns genommen und kurz demonstriert, wie ein Bär mit angelegten Ohren auf uns zurennen könnte und wie wir in diesem Fall das Bärenspray benutzen sollten. Wir ziehen das Spray wie einen Colt aus der Tasche und zielen auf den rennenden Bären. Sollte er spätestens zwei Treckingshop-Regallängen von uns entfernt noch keine Anstalten gemacht haben, abzubiegen, dann sollten wir sprühen. Dabei wäre es gut, wenn wir keinen Gegenwind hätten.
Ich frage mich, ob wir im Falle eines Gegenwinds den Bären höflich bitten könnten, seine Laufbahn entsprechend zu korrigieren. Denn wir dürfen uns in keinem Fall bewegen. Mit seinen 60 km/h wäre der Bär sowieso schneller als wir. Auch frage ich mich, wie wir mitten im Wald zwei Regallängen abschätzen sollen.
Der Verkäufer war auch absolut gegen die Bärenglöckchen: „Das ständige Gebimmel nervt. Zuerst dich, dann die anderen und vor allem den Bären. Außerdem klingen Glocken nicht natürlich.“ Er riet uns dann zu Trillerpfeifen.
Zum Thema Bärenglocken könnte ich eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben. Fakt ist: auf dem Weg bimmelt es immer irgendwie und irgendwo. Spätestens dann wissen alle, dass Touris unterwegs sind. Denn Kanadier nutzen keine Bärenglocken. Überhaupt sind die Glocken neben dem nervigen Gebimmel sehr umstritten. Manche sagen, die Bären mache dieses Geräusch eher neugierig als zu warnen. Andere widerum sagen, dass wir diese Glocken UNBEDINGT brauchen und die Bären ABSOLUT nicht genervt sind.
Natürlich wüsste ich gern, ob der Verkäufer überhaupt schon mal einen Bären gesehen hat und wenn ja, ob er diesem mit oder ohne Glöckchen begegnet ist. Und ob sein Trageverhalten seine Meinung nachhaltig beeinflusst hat. Grundsätzlich finde ich, dass die finale Frage in einem Treckingshop sein sollte: „Wie oft haben Sie denn schon einen Bären gesehen?“

Unsere Bärenglocken-Strategie ist ein stetes Auf und ab. In Hope haben wir sie gekauft und an den Rucksack gehängt. In Cash Creek haben wir sie abgemacht, weil sie genervt hat. In Revelstoke haben wir sie wieder drangemacht und drei Stunden wieder abgemacht, weil der Verkäufer gesagt hat, dass sie sinnlos sind. Später haben wir sie wieder drangemacht, weil es hieß, dass sie doch was bringen und alle Rucksäcke der anderen Touris ständig gebimmelt und geklingelt haben.
In Golden (und hier haben wir bisher die meisten Bären gesehen) habe ich sie abgemacht. To be continued…rabimmel, rabammel, rabum.

Funfact: WARUM HEISST DAS BÄRENSPRAY NICHT MEHR BÄREN-REPELLENT SONDERN BÄRENSPRAY? Weil es zwei japanische Touris geschafft haben, sich damit einzusprühen. Sie haben gedacht, Bären-Repellent wehren die Bären ab (wie Insekten-Repellent die Insekten abwehrt) und haben sich mit dem Bärenspray eingesprüht. Natürlich sind sie im Krankenhaus gelandet.
One Comment
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Ich habe viele Bären gesehen und im Zelt war eine nur 30 cm. Entfernt als er am Zelt schnuffelt. Keine Glöckchen benutzt. Im Wildnis laufen sie meistens weg, ausser wenn sie denken dass du Futter hast.