Spanisch schnorcheln

Abendstimmung. Grillen zirpen, Frösche quaken, von irgendwo kommt Musik. Einzelne Wortfetzen wehen an mir vorbei. Ich sitze auf meiner Veranda und blicke auf das Meer, das ganz gemächlich seine Farbe ändert.

Geschrieben von ClaudiB Sa, Mai 18, 2013 05:51

Von hellblau bis grau zu grün bis türkis bis dunkelblau. Obwohl ein leichter Wind weht, hört man ihn nicht. Doch sieht man ihn leise die Palmenblätter bewegen.

Plötzlich Stille. Die Grillen zirpen nicht mehr. Dafür klingelt jetzt ein Windspiel. Heute habe ich zum ersten Mal wirklich realisiert, dass ich auf Reisen und am Meer bin. Komisch, wie lange so eine Phase dauern kann. Angekommen. Ich bin da. Hier. Welcome.

Schnorcheln im leichten Regen kann sehr spannend sein. Das Wasser ist sehr warm und wenn man es geschickt anstellt, dann hört man die Tropfen auf das Wasser klopfen. Überhaupt sind die Geräusche unter Wasser faszinierend. Hört man ganz genau hin, dann kann man die Fische fressen hören. Sie schaben immerzu etwas von den Korallen. Auch habe versucht zu singen. Das geht sehr gut. Ich frage mich nur, wer das außer mir noch gehört hat.

Außerdem hat mir ein Triggerfisch eine Warnung ausgesprochen. Dabei wusste ich zuerst nicht, wen er meint. Aber außer mir waren nur Fische anwesend. Also kann er mich ja nur gemeint haben. Warnende Triggerfische sehen so aus: Zuerst spreizen sie die Kiemen-Flossen auf dem Rücken und dann schaukeln sie etwas zur Seite und wieder zurück. Es ist so, als wollte er sagen: „Ohoh, comme si comm ca, ich warne dich jetzt mal, komm mir nicht zu nah, du Alien.“ Und wenn der Alien nicht reagiert, dann wird er angegriffen. In diesem Fall ist es klug, ihm seine Flossen entgegenzustrecken, denn Triggerfische können knallhart zubeißen. Sobald man aber aus seinem Revier verschwindet, beruhigt er sich wieder.

Und einer von meinen neuen Freunden, den blauen Tigerentenfischen, hat mich ins Bein gezwickt. Keine Ahnung, was das für ein Annäherungsversuch sein sollte, aber wenn es einer war, dann ist er etwas daneben gegangen.

Gleich bin ich mit Spaniern, Franzosen und Deutschen unterwegs. Ihr seht, ich habe meine Internationalität und Sprachkenntnisse gesteigert. Was man alle so verstehen kann, wenn man nur ein paar Basiskenntnisse in Spanisch hat… Ich gebe zu, es war mal mehr, schließlich bin ich mit diesem Spanisch durch Ecuador gereist und habe auch Unterhaltungen über den Sozialismus geführt…doch das war vor einigen Jahren.

Immerhin konnte ich heute den spanischen Themen folgen. Wenngleich nicht immer korrekt, denn gerade als ich mich wunderte, dass spanische Männer über Sternzeichen sprechen, sagte einer von ihnen etwas vom Skorpionfisch auf Englisch. Er meinte also den Fisch und nicht das Sternzeichen. Ebenso vermute ich auch, dass sie keine Koch- und Backrezepte (meine Interpretation aufgrund ihrer großen Gesten und Gebärden) ausgetauscht haben. Wenigstens habe ich einen Katalanen und einen Spanier den gleichen Satz sprechen lassen, um endlich mal den Unterschied zwischen Spanisch und Katalan zu hören. Man hört ihn wirklich.

Ich war heute an Stellen schnorcheln, zu denen man normalerweise nicht hinkommt. Unglaublich schöne und bizarre Unterwasserwälder in den grellsten Farben. Und wisst Ihr was? Ich könnte immer wieder schnorcheln; täglich, stündlich, sekündlich. Immer und immer wieder. Ich habe schon überlegt, ob ich ein paar der Korallen in den Rhein schicken soll. Soooo teuer kann das ja nicht sein. Ich hoffe nur, sie überleben dort. Soviel Schiffsverkehr sind sie ja nicht gewohnt.

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Ich mag sie ja alle, die Spanier, aber es muss auch mal gesagt werden: Ich kenne kein Volk, was mehr redet als das Spanische. Worüber sie sich genau unterhalten, kann ich nicht genau sagen, aber mit Worten sind sie wirklich Weltmeister. Mir geht es oft so: Je mehr die Leute reden, desto schweigsamer werde ich. Vielleicht kennt ihr das ja. Daher ist bei Spaniern auch schnell mein Wort-Limit erreicht.

Mit einer Gruppe von 5 Spaniern, 1 Deutsch-Spanier und 2 Franzosen abends unterwegs zu sein, heißt viel Geduld mitbringen. Zuerst wird entschieden, wohin man zum Essen geht (zum Spanier natürlich) und dann wird ausführlich darüber gesprochen. Auf jeden Fall bleibt man stehen und quatscht, bis einer das Thema wechselt und man darüber redet.

Selbstverständlich kommt man so von Hölzchen auf Stöckchen und das Essen wäre bereits Nebensache, wäre da nicht die Deutsche, die schreit, dass sie Hunger hat. Ein fröhliches „On y va“ seitens der Franzosen. Die Spanier reagieren wenigstens und sagen: „Si.“ Niemand bewegt sich. Neues Thema zum Besprechen, neues Glück.

Nach einigen Minuten unendlicher Geduld ruft die Deutsche „Vamos“ und alle setzen sich für 200 m in Bewegung. Einer der Spanier trifft einen Bekannten auf der Straße. Alle bleiben stehen und reden. Man lernt sich kennen und zu mögen. Die Deutsche, ihre Energie ist mittlerweile auf dem untersten Level, trippelt in Minischritten voran. Die Franzosen hinterher. Die Spanier nicht.

Große Verabschiedung und endlich geht es weiter. Könnte es weitergehen, wenn da nicht jemand von seinem Moped grüßen würde. Der gesamte Trupp bleibt stehen und alles redet wild gestikulierend durcheinander. Auf Spanisch natürlich.

Mittlerweile liegt die Deutsche halb verhungert etwas abseits im Graben. Die Franzosen stehen unentschlossen und höflich wartend dazwischen. Hatte sich die Deutsche im Laufe des Tages überlegt, dass eine Beziehung mit einem Spanier nicht nur der Sprache wegen interessant sein könnte, gerät sie nun in Zweifel. Diese Art sich Zeit zu nehmen und sie platt zu quatschen liegt ihr überhaupt nicht. Und das in einer Beziehung? Oh oh oh.

Mit letzter Kraft kriecht sie zu den Franzosen (2 Frauen), um dieses Problem zu besprechen. Sie haben vollstes Verständnis, aber sie reisen seit 14 Tagen mit den Spanier herum und kennen ihre Vorlieben. Alle überlegen, welche Nationalität ein Mann haben sollte. Deutsche sind laut Franzosen zu gradlinig, die Spanier eher schlangenlinig, Franzosen etwas dazwischen, aber angeblich ganz schrecklich,…also kommen wir auf Holländer. Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Wie oft fahren wir nach Amsterdam und lernen ein paar Holländer kennen? Ich kenne nur die Durchgeknallten, die mitten auf der Straße „Miami Vice“ brüllen und sich dann in einer gefakten Schießerei auf dem Boden entlang rollen.

Das spanische Gespräch ist beendet und es geht weiter. Vor dem Restaurant bleibt der gesamte Trupp stehen. Der argentinische Restaurantbesitzer begrüßt alle. ALLE. ALLLLLLLLLLE. Mit jedem Einzelnen wird ein längeres Gespräch geführt und gescherzt. Der Tisch steht bereit, ist zum Greifen nah. In thailändischer stoischer Ruhe werden die Gedecke aufgelegt. Und später dann drei Karten für zehn Leute verteilt. Die Spanier essen Baguette und Spaghetti, die Franzosen Squid, die Deutsche Thai, niemand interessiert sich für Tapas…warum also sind sie zum Spanier gegangen?

Drei Stunden später, die thailändischen Angestellten (es wirkt eher wie eine Großfamilie) stehen zu zehnt hinter dem letzten Touristen-Tisch und warten darauf, dass sie endlich gehen. No chance. Wurde schon alles besprochen? Nein, nischta, nada, niente. Nach weiteren 30 Minuten ist es soweit. Endlich gehen alle, sie werden noch vom Barbesitzer verabschiedet, die Thais grüßen nicht mehr.

Der Trupp macht sich auf den Weg und am 7/11 bleiben alle stehen, um sich voneinander zu verabschieden. Email-Adressen werden getauscht, Facebook-Kontakte geknüpft, Küsschen und Umarmungen verteilt. Weil sie alle so nett sind, schlägt die Deutsche den Franzosen vor, noch etwas trinken zu gehen. Die Franzosen schlagen den Spaniern vor, noch in eine Bar zu gehen, der Deutsch-Spanier kommt natürlich mit und so sind alle doch wieder zusammen unterwegs. Die große Verabschiedung hätte man sich sparen können. Allein schon aus dem Grund, weil das Hotel von allen sowieso in einer Richtung liegt.

Mein Fazit: Kein Wunder, dass die Spanier Siesta machen. Sie müssen sich ja auch irgendwann einmal (vom Reden) erholen.

By Published On: Oktober 28th, 2014Categories: Allgemein0 Comments on Spanisch schnorcheln

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