
Viva la Vida!
Ich lerne hier viele Leute aus Australien kennen. Viele kommen aus Darwin, was circa drei Flugstunden von Bali entfernt ist. Bali ist für sie das, was für uns Mallorca ist. Kuta ähnelt auch ziemlich dem Ballermann. Tausend Australier und allesamt machen Party. Der Alkohol ist viel billiger als in Australien.
Apropos Australien: Die Menschen in Darwin haben ein echtes Problem. Tom zum Beispiel sprang eben überglücklich ins Meer und sagte, dass er es seit zwei Jahren nur gesehen habe, aber nicht drin schwimmen konnte. Meist tummeln sich dort Krokodile im flachen Wasser. Wenn sie nicht mehr da sind, dann kommen die (Riesen)-Haie und wenn die endlich weg sind, dann sind es die hochgiftigen Quallen, die einem den Gang ins Wasser endgültig vermiesen. Die Natur in Darwin muss wirklich atemberaubend sein. Aber ich wäre stinksauer, wenn ich bei der Hitze das Meer vor der Nase hätte und nicht ins Wasser gehen könnte.
Manchmal frage ich mich, ob ich den Zeitpunkt zum Reisen verpasst habe. Ich sehe hier so viele junge Leute, so um die 20, die für 1 Jahr durch die Welt reisen, in Australien oder Neuseeland arbeiten und dann weiterziehen. Das Work and Travel-Visa geht nur bis 30. Ich weiß noch, wie ich damals überlegt habe, es zu machen. Aber irgendwie war immer etwas dazwischen gekommen. Ich wüsste zu gern, wie diese ganzen Traveller mit 40 leben. Ob sie dann ein gesichertes Einkommen, Kinder und Familie haben? Und ist meine Art zu leben, wie ich es bisher gemacht habe, nicht die bessere Variante? Arbeiten, reisen und arbeiten und reisen?
Was in Indonesien erstaunlich ist, ist die Anzahl der Mitarbeiter in jedem Betrieb. So ist zum Beispiel eine Bar oder Restaurant mit doppelt soviel Leuten als in Deutschland besetzt. Jetzt könnte man meinen, dass der Service hier großartig ist…nein, leider ist er das nicht. Überhaupt nicht. Als ehemalige Kellnerin finde ich, dass der Service und die Schnelligkeit hier sehr zu wünschen übrig lässt. Überall. Wenn man essen geht, sollte man vorher schon etwas gegessen haben (weil es eine Ewigkeit dauert, bis das Essen kommt) oder an einem der Straßenstände essen. Die sind widerum turboschnell.
Mein Pläne, so schnell wie möglich nach Sulawesi zu fahren, haben sich etwas verlangsamt, da keine Flüge mehr frei waren. So fahre ich erst am Montag hin. Das Gute dabei ist, dass ich nicht allein fahre. Tom kommt mit. So habe jemanden dabei, der weiß, wo die schönsten Strände, Orte und Tauchgegenden um Bora sind. Allerdings zeigt er wenig Interesse an Fußball und hat noch weniger Ahnung als ich. Was mit dem Rücken einschmieren ist, weiß ich nicht.:) Aber ich freue mich, nicht allein zu reisen.
Vor allem profitiere ich davon, dass ich Land und Leute besser kennenlerne und ihre Mentalität besser begreife. Zumindest etwas. Während wir es gewohnt sind, immer etwas zu tun und in Bewegung zu sein, scheint es für die Leute hier ganz normal zu sein, nichts zu tun bzw. ausgedehnte Ruhepausen einzulegen. Sie tun dann tatsächlich nichts. Sie sitzen und schauen. Ich habe keine Ahnung, ob das eine Form der Meditation ist. Die meisten verneinen das, wenn ich sie frage.
Was ich super sympathisch finde, ist die Warteschleifen-Musik bei einem Hotline-Anruf. Keine harten Klänge, kein dengdengdeng im Ohr und vor allem kein blöder Ohrwurm, den man später automatisch nachsingt, sondern beruhigende und leise gesungene Chill-Out-Musik. So entspannend wie Warteschleifen-Musik ist, möchte man bestimmt noch einige Male anrufen. Clever gemacht.
So, und weil ich eben vom Nichtstun sprach, lege ich mich jetzt in die Sonne.
Viva la Vida!
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