
Nerds on the floor – Hippies in the trees
Ist euch schon mal aufgefallen, dass ein Tennisspiel ganz schön meditativ sein kann? Ich sitze in einem Liegestuhl auf dem Federation Square und verfolge das Australien-Open-Tennis-Spektakel auf der Riesenleinwand. Die Sonne knallt auf meinen Kopf und je mehr ich mich zurücklehne, dem fliegenden Tennisball und dem ständigen Plopp-Geräusch folge, desto schwerer werden meine Augen und ich lasse alles los. Die murmelnden Stimmen neben und hinter mir tun ihr Übriges hinzu. Ich drifte ab und befinde mich bald in einer anderen Welt. Alles fließt. Tennis ist wie Angeln, finde ich. Ein Meditationsport. Abgesehen davon glaube ich, das ich gerade an einem legendären Spiel teilhabe. Die Nummer 117 der Rangliste gewinnt gegen die Nummer 2.
Aber Tennis ist nicht das Einzige, was wir in den letzten Tagen gesehen haben. Ich würde mal sagen, wir haben einige kuriose Dinge auf einer Tour erlebt und gehört. Wombats beispielsweise sehen aus wie süße Teddybären und können Wahnsinnige schnell laufen. Bis zu 45 kmh können sie beschleunigen, wenn sie wollen. Doch das wollen sie nur, wenn jemand hinter ihnen her ist. Dann flüchten sich die runden Viecher in ihren Bau und verschließen diesen mit ihrem Rücken. Dank einer Knorpelschutzschicht haben die Feinde auch nicht die kleinste Chance, sie aus ihrer Bude rauszuholen.
Was ich aber noch faszinierender an Wombats finde, ist, dass sie als einziges Tier auf der Welt Würfel statt runde Köttel kacken. Diese Würfel kann man sogar trinken bzw. essen, wenn man mal kurz vor dem Verdursten ist. Stellt euch vor: Ihr befindet euch in der Wildnis und habt absoluten Durst. Plötzlich kommt ein Wombat vorbei, kackt einen oder zwei Würfel und rettet euch damit das Leben. Ist das nicht großartig?
Ihre Artverwandten hingegen, die Koalas, sind nicht ganz so clever. Aber wie auch, wenn sie dauerstoned sind? Sie hängen den ganzen Tag in einem Eukalyptusbaum und pennen. Nur jeweils zwei bis vier Stunden sind sie im Stress. Nämlich dann, wenn sie wach sind und fressen. Oder sind sie etwa doch cleverer, weil sie dieses Leben gewählt haben?
Was weniger schön war, war die Pinguin-Parade, an der wir teilgenommen haben. Ja, ihr habt richtig gehört: Pinguin-Parade.
Wir wissen ja bereits, dass Pinguine eher scheuere Wesen sind. Deshalb halten sie sich auch tagsüber im Meer auf und jagen, um das Futter für ihre Jungen zu suchen. Nach Sonnenuntergang kehren sie an Land in ihre Nester zurück. Allerdings sind sie dabei extrem vorsichtig und watscheln auch nur in Gruppen aus dem Wasser.
Die Pinguin-Parade war schön wie auch absurd. Am Eingang ein Touri-Shop, dann weiter unten am Strand vier Tribünen und eine VIP-Lounge. Dann sprach noch eine Michael Jackson-Stimme zu uns und eine Mitarbeiterin versuchte mit zittriger Stimme letzte Verhaltensregeln ans Publikum zu vermitteln. Und das alles, um die Pinguine aus dem Wasser kommen zu sehen. Zugegeben, das war ein toller Moment, zu sehen, wie sie in Gruppen überall aus dem Meer kamen und schnell über den Strand wackelten.
Allerdings war es weniger schön zu sehen, wie bekloppt und respektlos sich die Zuschauer dabei verhielten. Sie waren laut, sie kommentierten alles und manche von ihnen machten sogar Fotos. Einige versuchten später auf dem Rückweg sogar, ganz nah an die Tiere heranzukommen und verschreckten die Pinguine. Das Tragische war, dass die Pinguine eigentlich so schnell wie möglich zu ihren Jungen wollten, um sie zu füttern.
In Australien kann ja so Einiges passieren. Zum Beispiel kann dich in einem Gespräch einfach ein Känguruh unterbrechen, dass an dir vorbeihüpft. Und das in der freien Natur!
Ebenso kannst du auf eine Museumsmitarbeiterin treffen, die bestimmt die Figurvorlage für das Faultier aus Zoomania war. Lisa Berg konnte sich noch zusammenzureißen. Ich versuche dann ja immer, besonders freundlich laut loszulachen…
Was uns morgen auf unserer nächsten Tour passiert oder wer uns begegnet, weiß ich nicht. Aber ich werde berichten.
PS: Wir sind jetzt auf der Great Ocean Road, waren also gar nicht mehr in Melbourne. Alles gut! Morgen liegen wir in einem „Swag“:)). Googlet das mal!
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