Vom Nordwesten der Südinsel in den Südwesten der Nordinsel

Seien wir mal ehrlich: Die Kiwis sind nicht wirklich die Weihnachtsparty-People. Natürlich hätte ich mir das nach all den Deko-Versuchen bereits denken können, aber wirklich wahrhaben wollte ich das wohl nicht. Doch worüber beschwere ich mich eigentlich? War ich nicht immer diejenige, die gesagt hat, dass ihr Silvester wichtiger ist? Brauche ich etwa doch ein ganz normales, schönes Weihnachten?
Auf jeden Fall war unser Weihnachten anders und trotzdem schön. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben Lisa Berg und ich uns weihnachtlich dekoriert und sind als weihnachtliche Deko-Engel durch die Landschaft geflogen. Der Reaktion der Leute nach zu urteilen, haben wir Ihnen viel Freude bereitet. Niemand, wirklich niemand konnte an uns vorbeilaufen, ohne zu grinsen und uns „Merry Christmas“ zu wünschen.


Ich freu mich schon auf Silvester…wir werden wieder ein kleines Special veranstalten.

Neben der wunderschönen Landschaft, den freundlichen Neuseeländern, den Touris, Bellbirds (R2D2 mit integrierter Scannerkasse), den Tuis (Nachahmer von R2D2 mit integrierter Scannerkasse mit einem Ratsch-Geräusch vor dem Sound) haben wir auch eine neue Spezie kennengelernt: den neuseeländischen KFZ-Mechaniker-Kiwi.

Die Lenkradsperre von unserem Campervan ließ sich nicht mehr lösen und wir hatten wirkliches Glück, dass wir nicht an einem extrem abgelegenen Ort wie dem Milford Sound sondern vor einem Campingplatz in Kaiteriteri standen. Okay, vom Ortsnamen könnte man auch vermuten, dass dieser Ort am Ende der Welt gelegen ist. Um ehrlich zu sein: Kaiteriteri ist der letzte Ort vor einem Nationalpark am Ende der Westküste im Nordwesten der Südinsel. Zu fahren waren es circa 15 Hari Haris. Übrigens befinden wir uns mittlerweile im Südwesten der Nordinsel nördlich von Wellington. Das Büro, in dem ich dies schreibe, ist nordwestlich vom Fahrersitz und westlich vom Beifahrersitz gelegen. Der Fahrersitz widerum liegt östlich von hier.

Zurück zu Kaiteriteri. Nachdem der Kiwi-Mechaniker das halbe Lenkrad und die Armatur auseinander geschraubt hatte (ich weiß jetzt endlich, wie klein und zusammengeknautscht ein Airbag sein kann), sagte er, dass da wohl jemand eine Schraube manipuliert hätte und vorerst könne er nichts machen, weil da ein ein anderer dran müsse. Also beschloss er alles offen und mich den Wagen mit einem Schraubenzieher starten zu lassen. Abgefahren! Eine meiner Spezialitäten ist es ja, einen Wagen aufzuschließen, den Schlüssel irgendwo hinzulegen oder in der Tür steckenzulassen. Wenn ich dann am Steuer sitze, frage ich mich oft, wo ich denn den Schlüssel gelassen habe. Aber mit dem Schraubendreher hat sich dieses Problem erledigt! Leute, ich sach euch, ich werde die nächsten Autos nur noch so starten. Und vielleicht auch mal das eine oder andere Auto:) …


Ende der Story war, dass der zweite „Mechaniker“, ein Schlosser, meinte, dass ein Stück des Schlüssels abgebrochen sei, der das Lenkrad blockiert hätte. Zwei Mechaniker-Kiwis, zwei Gedanken, ein Schraubenzieher … Fakt ist: Wir haben jetzt einen neuen Schlüssel und der Airbag ist auch wieder eingebaut. Hoffentlich.

Dass die Neuseeländer etwas anders sind, kann man allein daran schon erkennen, dass sie sich selbst liebevoll „Kiwis“ nennen. Oder wenn man, wie Lisa Berg es neulich getan hat, sich die ganz normalen Zeitschriften im Supermarkt anschaut. Da ist beispielsweise vom „Snapper-Guru“ die Rede oder es werden sensationelle Tricks für die Jagd verraten. Besonders beeindruckend war die scharade-ähnliche Beschreibung eines Kiwis, der uns geduldig die Begriffe „Hunting and Rifle“ erklären wollte. Sofort setzte er pantomimisch ein Gewehr an, was er in Sekundenschnelle zu einer gerade ausgeworfenen Angel umfunktionierte. Mit seinem schrägen Akzent unterstrich er seine sich mittlerweile wiederholende Pantomime.

Der Akzent könnte mittlerweile ein eigenes Kapitel bekommen. Bisher haben wir „Puwähr“ / „Pöhr“ (= Power), „Frinch“ (= French) oder andere seltsame Wortkreationen gehört. Aber der Smasher ist tatsächlich „iiiiiäääg“.

Meine Güte, was hätte dieses Wort alles werden können? Ein langer schräger Gag, ein viehischer Audruck, ein Esel mit neuseeländischem Akzent…

Die Geschichte, die zu „iiiiiäääg“ gehörte, war wieder eine alte Maori-Geschichte, die kein Mensch versteht. Ein kleiner neuseeländischer Junge, der die Story bereits kannte, zuckte mit den Schultern und fasste die Story so zusammen: God was crazy.

Und was hat das alles mit „iiiiiäääg“ zu tun? Am Splitted Apple sprach der Kanu-Guide von „iiiiäääg“so häufig, dass Lisa Berg fragte: „Sorry, but what means „iiiiiäääg“?“ Und alle Neuseeländer brachen in Lachen aus. Die Touris nicht. Mit „iiiiiäääg“ war selbstverständlich „egg“ gemeint. Was das allerdings mit dem „Splitted Apple“, zu tun hatte, wissen wir leider auch nicht.

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