Shoppen auf denglish

Liebeleins, ich habe Balis neue Shopping-Ära eingeläutet.
Made hat mich an einem Kaufhaus mit Bali-Preisen abgesetzt. Es war eine Riesenhalle mit Sarongs, Seifen, I-Love-Bali-Shirts, Kleidern, Hosen…schnell war klar, dass das die größte Geschenke-Hochburg der Welt war. (Obwohl…wahrscheinlich ist China noch härter drauf.
Jedenfalls habe ich tapfer meinen Kulturschock überwunden und bin ganz konzentriert auf die Hosen zugegangen.

Balinesen sind dünn und sehr sehr sehr schmal. Und alles war one size. Oh doch, es hat mir fast alles bis fast alles gepasst und letzten Endes habe ich auch zwei Hosen und ein Kleid gekauft. Aber bis es soweit war, hatte ich den ganzen Laden bereits aufgemischt.

Zuerst fragte ich nach einer Umkleidekabine. Die gab es nicht. Also musste ich die Kleidung über die Shorts testen. Dann fragte ich nach einem Spiegel. Den gab es nicht. Ich vermutete, das Mädel konnte kein Englisch. Also fragte ich nach jemandem, der Englisch sprach. Den gab es zwar, aber sein Englisch ging über „Yes“ und „No“ nicht hinaus.
Und jetzt macht es mal zu Hause nach: Stellt bitte pantomimisch einen Spiegel dar und versucht, so exakt wie möglich zu bleiben). An die Gruppe: ich habe mich wirklich sehr reduziert bewegt und keine erklärenden Extra-Bewegungen hinzugefügt.

Mittlerweile hatte ich drei Verkäufer-Mädels und den Nicht-Englisch-sprechenden Jungen um mich gescharrt. Die Mädels waren großartig in ihrer Meinung: Jedes Kleid, was mir nicht stand, wurde entweder ausgelacht oder totgeschwiegen. Wenn sie nicht reagierten, musste ich sie fragen: „Yes?“ oder „No?“ Nur konnten sie nicht antworten, weil sie nicht wussten, was das hieß. Doch das merkte ich erst, als eine sagte: „Ok no.“

Ohne Worte schwärmten sie alle aus und kamen mit zig Kleidern wieder, die alle anders und doch irgendwie gleich waren. Netterweise wurde dann doch noch ein kleiner runder Hand-Spiegel aufgetrieben und die Sweeties rissen sich darum, mir entweder ins Kleid raus- oder reinzuhelfen oder den Spiegel zu halten. Und das alles mitten im Laden. Zwischenzeitlich mischten andere muslimische Touri-Frauen mit, die mir gelbe, rote oder pinke Kleider andrehen wollten. Ich steckte also in und zwischen diversen Kleidern, während ich mit den Touris fachmännisch über die Farben diskutierte.

Das Ganze wäre beinahe harmlos gewesen, wenn ich leichter in die Scheißkleider gekommen und nicht immer auf halber Strecke hängengeblieben wäre. Aber so war ich leider gehandicapped wie ein zappelnder Fisch an Land, nur dass ich nicht zappelte (weil ich keine Bewegungsfreiheit hatte), sondern einfach unsäglich schwitzte. Das war peinlich. Zeitweise kam ich mir vor wie eine Doppel-D-Walross-Kuh an Land. Kein schönes Gefühl.

Zuletzt waren sogar die Security-Leute des Ladens zugegen, um mir bei der Kleideranprobe zuzusehen. Leider habe ich nicht verstanden, was ein Mann die ganze Zeit vor sich hin brabbelte. Positiv denkend gehe ich davon aus, dass er keine Wetten mit den Anderen abgeschlossen hat.

Der Zenit war erreicht, als sich eine Security-Frau einmischte und mir in einem Affenzahn die Kleider vom Körper riss und andere wieder anzog. Wenigstens war sie eine der Wenigen, die wusste, was „Yes“ „No“ oder „ok“ hieß. Doch leider hatte sie überhaupt keinen Geschmack und es war schwierig, ihre Kleidervorstellung abzuwimmeln.

Das Ganze endete damit, dass ich mir das Kleid schnappte, bei dem alle ausnahmslos perfekt zeigten, sagten oder andeuteten.
Und jetzt ratet mal, was für eine Farbe das Kleid hat: Giftgrün! Tannengrün, lindgrün, grasgrün, Sommergrün, khaki…alle Grüntöne mag ich und sind schön…aber ausgerechnet giftgrün? Das ist so ziemlich der einzige Grünton, der nicht funktioniert.

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Ich habe erst im Hotel gemerkt, auf welchen Farbton ich mich eingelassen habe. Ich bin mal gespannt, wie sehr sich das Kleid mit meinen Augen beisst. Wenigstens haben die beiden Hosen die perfekte Farbe. Petrol und Claudi-Sommer-Grün.

Was mich glücklich macht: Ich glaube, ich habe für ein unvergessliches Einkaufs-Verkaufserlebnis gesorgt und werde wohl für den einen oder anderen Lacher hier auf Bali gesorgt haben. Ob heute, morgen oder in naher Zukunft.

4 Kommentare

  1. janabehr 13. Juni 2014 at 14:07 - Reply

    Danke, für deine schönen Poststraße und dass du umso schön auf dem Laufende hältst! Drück dich! Ganz liebe Grüße!
    Jani

  2. janabehr 13. Juni 2014 at 14:08 - Reply

    Danke, für deine tollen Posts und , dass du uns mitnimmst! Drück dich und habe dir auch endlich meinen Skype-Namen geschickt!

    • claudibe 13. Juni 2014 at 15:21 - Reply

      Danke dir für dein tolles Feedback. Dann werde ich mal fröhlich weiterposten. Sitze gerade am Meer und beobachte das Glitzer-Wasser. Es ist Vollmond, jakomosch.

  3. Claudibe 13. Juni 2014 at 15:28 - Reply

    Und just, als ich das oben schrieb, drehten sie ordentlich die Lautsprecher auf und jetzt schallen irgendwelche Partyhits an mir vorbei. Vorbei mit dem romantischen Rauschen der Wellen…

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