
WM
Also, das mit der WM muss ich mir wirklich noch gut überlegen. Sie übertragen die Spiele um 3 Uhr oder um 6 Uhr morgens. Gili T ist zwar eine Party-Insel und durchmachen wäre gar kein Problem, aber ich bin abends schon müde, so dass ich wirklich kämpfen müsste, um Fußball um drei zu sehen. Und mir extra einen Wecker dafür zu stellen, das geht gar nicht. Ich meine, Oscar-Verleihung…selbstverständlich stelle ich mir da den Wecker oder mache bis sieben Uhr morgens durch. aber Fußball, wenn noch nicht einmal Deutschland spielt?
Gestern habe ich auf dem Weg zum Sonnenuntergang ein paar Leute getroffen, mit denen ich später den Abend verbracht habe. Das war wirklich gut, denn der Weg dorthin war nicht sehr schön und er kam er mir etwas düster vor. Ich überlegte schon, ob ich zurückgehen sollte, denn allein im Dunkeln zurück zu stolpern hätte ich nicht so toll gefunden. Just in diesem Augenblick rief ein Mädel mir zu, ob ich sie begleiten wolle. Das war fantastisch. Gut bestellt… Es wurde ein sehr lustiger Abend. Gleich werde ich sie wiedertreffen.
Eigentlich könnte ich nun weiterziehen. Ich habe Gili T mit dem Fahrrad umrundet, an jedem Strand das Schnorcheln getestet, ich war auf einer Schnorcheltour, habe neben zahlreichen Fischen und Korallen vier riesige Wasserschildkröten gesehen und liege jetzt gerade am Strand…
Ja, ich denke, es ist genug. Obwohl…naja…ich sitze in einem Fatboy mit direktem Blick zum Wasser, es ist heiß, chillige Musik und ab und zu schlafe ich in der Sonne ein.
Ich warte darauf, dass Tom aus Bali zurückkommt und er mir dann ein paar schöne Stellen auf Sulawesi zeigt. Tom ist der Wahnsinnige, mit dem ich vor zehn Jahren im Great Barrier Reef, Australien, segeln war. Ihr erinnert euch? Der Wahnsinnstrip zu zweit im Mini-Segelboot (8m). In unseren besten Zeiten sahen wir Wale, Delphine und traumhafte, einsame Strände und in unseren schlechtesten Zeiten kämpften wir gegen meterhohe Wellen und 40 Knoten (stimmt tatsächlich, ich habe nicht übertrieben) Windstärke an. Und das alles, obwohl ich nicht segeln konnte und er es sich selbst beigebracht hatte (was nicht heißt, dass er ein guter Lehrer war).
Nach dem Segel-Trip habe ich gedacht, dass ich ihn nie wiedersehe, aber…wie das Leben so spielt. Was unseren abgefahrenen Segel-Trip betraf, waren wir uns beide einig, dass er ganz schön durchgeknallt war.
My Godness, gerade findet hier auf dem Markt ein Stock-Kampf statt. Ich kann nicht alles sehen, dafür aber umso besser die Schläge auf das Schutzschild knallen hören. Nein, das ist kein Showkampf wie beim Wrestling, das ist knallhart und brutal. Und die Zuschauer lieben das. Sie johlen und kreischen und wenn es mal weh tut, dann zucken sie zusammen. Wie beim Boxkampf gibt es einen Schiedsrichter, aber das ist auch schon alles an Ähnlichkeit.
Die beiden Kämpfer stehen mitten auf dem Marktplatz und hauen sich eins über den Kopf. Wer nicht schnell genug ist, hat Pech. Die Kämpfer müssen gedopt sein – und wie! Es knallt, hackt und schlägt. Alles ist erlaubt. Der Schiri ist zu 95 Prozent Deko. Oder bin ich etwa nur ein Weichei?
Um genau zu sein, bin ich sogar ein touristisches Weichei.
Denn das hier ist ein Kampf, bei dem alle mitmachen können und sollen. Die Zuschauer werden aufgefordert, gegen den Sieger zu kämpfen. Aber die, die tatsächlich kämpfen, haben geübt.
Trotzdem knallt es fürchterlich und sie werden viele blaue Flecken haben.
Bin ich froh, dass ich den Hahnenkampf auf Bali verpasst habe.
So, das kleine Glitzer-Weichei geht jetzt nach Hause. Nicht, dass mich noch eine Mücke sticht.
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