Sehen wir heute das Solarlicht?

Beinahe wäre es soweit gewesen, dass ich endlich das südliche „Polar“Licht hätte sehen können. Wir waren kurz vor Stewart Island und wären auch rübergefahren, wenn es nicht so wolkig gewesen wäre. Dank einiger Wortfindungsstörungen habe ich das südliche Polarlicht versehentlich „Solarlicht“ getauft. Aber ich denke, wenn jeder weiß, was damit gemeint ist, dann passt das schon :).
Dafür sind wir nun auf einem putzigen Campingplatz in Manapouri am Doubtful Sound gelandet. Man möge mir das Wort „putzig“ verzeihen, aber dieser Platz ist wirklich entzückend (auch das Wort möge man mir verzeihen). Er wirkt wie ein kleiner, liebevoll gepflegter Garten und die absolute Krönung ist der kleine Weg durch den mit Moos bewachsenem Märchenwald, der NATÜRLICH an einem See endet, der umrahmt von Bergen ist. Unfassbar.
Was Fotos betrifft, so habe ich mittlerweile den 360 Grad-Gang erfunden. Ich drehe mich einfach nur noch um die eigene Achse, suche und finde so die besten Bilder. Ich pfeif auf die Krebse, die schon vorher wussten, dass man im 180 Grad-Winkel mehr sieht…ab sofort bin ich zwei Krebse und habe so alle Bilder im Griff. Ja, ich würde sogar vermuten, dass ich die beste lebendige Bilderbewegungsmelderin bin, die derzeit unterwegs ist. Wer mich also buchen möchte…nur zu. Das mit dem Drehwurm bekomme ich auch noch hin.
Es ist wirklich so: Man knipst ein Bild und ist total glücklich. Und dann schiebt sich die Sonne durch die Wolken oder eine Wolke verdeckt einen Teil der Sonne und man denkt: „Na toll.“

Und macht noch ein Bild. Und dann noch eins und noch eins, weil der Schatten so gut oder der Bildausschnitt so ideal…
Mittlerweile nimmt unsere Fotoleidenschaft leicht neurotische Züge an. So ist heute mehrfach der Satz gefallen: „Nein, Claudie, wir haben das doch besprochen. Wir machen KEIN Foto mehr. Erst morgen wieder…“ Das schaffen wir so circa zwei bis drei Sekunden und dann stürzen wir uns auf das Bild. Ein Glück, dass ich den 360 Grad Gang erfunden habe. Ich fühle mich dann ein bisschen wie R2D2.
Apropos R2D2: Es gibt hier einen Vogel, der hört sich genau an wie der kleine süße Roboter von Star Wars. Neulich bin morgens aufgewacht und hatte seinen Gezwitscher sogar als Ohrwurm im Kopf. Was etwas schwierig war, denn eigentlich hört er sich wie ein Computerspiel aus den Achtzigern an. Oder wer es realistischer will: zuerst macht er „krsch“, als müsste er seinen Sender einstellen und dann klingt er wie eine Scannerkasse, auf der etwas über das Band gezogen wird, was aber leider nicht funktioniert.

In Akaroa habe ich auch einem anderen, eher sehr schüchternen Vogel zugehört. Dieser schien immer einen Versuch zum Zwitschern zu starten, hielt aber sofort inne, als wollte beschwichtigend sagen: „Okay, okay,.. ich probiere nur kurz etwas aus…ist das ok für euch? Wenn nicht, bin ich sofort still, ja?“
Wollt ihr auch mal was Schlechtes-nicht-Schlechtes über Neuseeland hören? Das Wetter ist wechselhaft. Mal sehr warm, mal eher kälter. Es kann ein unglaublicher Wind pfeifen und auch regnen. Bisher hatten wir Glück, dass dies immer nur abends  oder nachts der Fall war.
Die Leute sind hier unglaublich. Sehr sehr nett, offen und neugierig und wahnsinnig in Quatschlaune. Quasi Köln hoch zehn. Von einer Bar- und Restaurantbesitzerin haben wir erfahren, dass sie das Kochen eigentlich hasst und eine alte Dame, die uns heute zugequatscht hat, erwähnte mitten im Gespräch ihre zweiten Zähne und dass sie das Gefühl hätte, dass sie zwei Golfbälle im Mund hätte. Nicht, dass es zum Thema gepasst hätte, aber egal.
So, das war es für heute. Gleich gehen wir im 360-Grad-Gang wandern.

By Published On: Dezember 16th, 2016Categories: Allgemein1 Comment on Sehen wir heute das Solarlicht?

One Comment

  1. Max Behr 19. Dezember 2016 at 11:03 - Reply

    Liebe Claudi, ich habe all deine mails erhalten und gelesen. Schön, daß es Euch gut in Neuseeland gefällt, wünsche Dir ein frohes Weihnachtsfest und hoffe, daß wir uns mal sprechen können, wenn Du in der Nähe eines WLAN bist. Bitte schreibe mal, wenn es soweit ist. Ich passe mich gern an. Bei jedem Frühstück erinnere ich, daß Du schon bald wieder schlafen gehst und bei mir erst der TAG beginnt. Gruß du bis zum nächsten Mal, Dein Papa mit Barbara

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