
Gletscher, Greenstones und Glühwürmchen
Im Westen viel Neues und das ist auch gut so: Alles Schöne wechselt sich in einem unglaublichen Tempo ab und man könnte eigentlich überall halten, um etwas Beeindruckendes, Lustiges, Kreatives oder Schönes zu entdecken. Wenn es nicht die Landschaft ist, dann ist es eine Kuh, die wie ein Pandabär aussieht, ein selbst gestalteter Mini-Briefkasten, ein süßes Haus oder ein spooky Walking Dead-Campingplatz, der sich ganz einsam auf einem Berg neben einem Friedhof befindet. Oder es sind drei Kühe, die einfach mal von ihrer Weide abhauen und vor Freude durch die Gegend hüpfen, weil sie eben abgehauen sind. Oder die Lupinen, die überall wachsen und wunderbar duften. Ganz gleich, ob im Tal, auf einem Berg, an einem Fluss oder in einer Hecke. Unfassbar schön…unfassbar schön…
Um alles aufzunehmen sollte man Neuseeland belaufen und nicht befahren. Allein in den zwei Wochen, die wir hier sind, sind wir (landschaftlich gesehen) schon durch viele Teile der Welt gereist: Wir haben Fjorde, wolkenverhangene Berge, karge Landschaften, saftige Felder und Wiesen, Urwälder, Strand und Meer gesehen. Wir waren in den südlichen Alpen unterwegs und haben auch die fiesen Sandflies kennengelernt, die sich angeblich nur an der Westküste in den feuchteren Gebieten aufhalten.
Getarnt sind diese Kreaturen als eine Art harmlose Mini-Fliege und in Wahrheit sind es schreckliche Monster, die wild um sich beißen und grauenhafte Wunden in menschliches Fleisch reißen. Ihr findet Mücken schlimm? Glaubt mir, SANDFLIES SIND DIE WAHREN UNGEHEUER.
So gesehen haben wir zwei weitere „Ungeheuer“(-lichkeiten) besucht: den Fox-Gletscher und den Franz-Josef-Gletscher. Für die Wanderung waren wir selbstverständlich perfekt vorbereitet und hatten uns extra warme Socken gekauft. Nur um dann festzustellen, dass auf dem Parkplatz, der eine Stunde vom Gletscher entfernt war, sogar Palmen wuchsen. Auf dem Weg zum Franzl wurde es glücklicherweise schon kälter. Allerdings habe ich auch Wahnsinnige in Shorts, Shirts und Top gesehen.
Die Nationalität der Touris kann man übrigens super an ihrer Kleidung erkennen. Deutsche kombinieren einen perfekt aufeinander abgestimmten „Findet-Nemo-Travellerlook“ (Treckingschuhe mit neonfarbenen Schnürsenkeln oder Rändern, rot-pinke, grüne oder violette Outdoorjacke, dazu eine beige- oder anthrazitfarbenen dreifach-Ziphose. Selbstverständlich tragen sie einen praktischen Rucksack, der mit Wasser, Äpfeln und Müsliriegeln gefüllt ist. Franzosen dagegen sind eher schicker und weniger outdoorgerecht gekleidet und ziehen im Allgemeinen kleinere Tragetaschen vor, während Asiaten genau die Klamotten tragen, die sie immer tragen würden. Für eine Treckingtour sind diese meistens weniger geeignet. Dafür sind sie immer adretter als andere Touristen gekleidet.
Wie der Blick auf die Touristen hätte der Weg zum Gletscher nicht unterschiedlicher und schöner sein können: Regenwald, karges Geröll, ein mausgrauer, reißender Fluss zwischen mausgrauen Steinen, moosbewachsene gelbgrüne Steine und golden schimmernde Wände neben riesigen Wasserfällen. Der Gletscher selbst schien mir ebenso surreal und doch war es ein erhabener Moment, als ich vor ihm stand. Die Landschaft drumherum hätte auch vom Mars sein können.
Das Touri-Radio hatte uns einen Ort namens Hari Hari mehrfach empfohlen und davon geschwärmt, wie atemberaubend dieser Ort doch ist. Klar, dass wir da neugierig waren. Tatsächlich war das Örtchen eher deshalb ungewöhnlich, weil jedes zweite Haus zum Verkauf stand und jedes andere zweite Haus entweder leer oder kaputt war.
Trotzdem hatte es sein Gutes, dass wir durch Hari Hari gefahren sind. Denn mit Hari Hari lassen sich nun wunderbar Entfernungen auf der Karte einschätzen. Eine Maßeinheit „Hari Hari“ entspricht in etwa 20 Minuten. Zu den Pancake Rocks, zu denen wir morgen fahren, sind es 5 Hari Haris. Das Meer selbst ist drei bis vier Hari Haris vom Gletscher entfernt.
Während Lisa Berg ihren Jadestein bearbeitete, saß ich mit einem echten irischen Maori zusammen und habe mir die gesamte maorische Geschichte inklusive Bedeutung des neuseeländischen Jadesteins für das maorische Volk und die Geschichte seiner Familie in zehn Minuten erzählen lassen. Sie hier zu notieren dauert zu lang und die Haupt- und Nebenstränge seiner Story waren sehr verwirrend. Auch haben die Leute hier einen seltsamen Akzent und dem irischen Maori fehlte auch jeder zweite Zahn. Es ist also möglich, dass ich nicht alles korrekt wiedergeben könnte.
Hier die kurze Zusammenfassung: Die Maoris glauben, dass der Jadestein direkt zu Gott führt und der Stein weiblich ist oder Weiblichkeit symbolisiert. Die Arbeit am/mit/ in/auf dem Stein demonstriert, wie man auch mit Frauen umgehen sollte: zart, vorsichtig, respektvoll und man sollte immer im Gleichgewicht mit ihr sein. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er das nur gesagt hat, weil ich eine Frau bin. Dass mir das ein irischer Maori erzählt hat, ist übrigens kein Scherz: Sein Vater ist tatsächlich Ire und seine Mutter Maori. Ich würde mal sagen, sein Aussehen war irisch, während sein Herz maorisch schlug.
SO. Schluss mit dem ganzen Kitsch. Ich muss jetzt den brutalen Sandflies entfliehen und Millionen von Glühwürmchen, die an der Wand kleben, beobachten gehen.
Fröhliche Fast-Weihnachten.
Sign up with your email and always get notifed of Avada Lifestyles latest news!

