Jetlaaaag, Jetlaaaag…

Yes!!! Ich bin in Vancouver, Kanada. Völlig übernächtigt komme ich aus dem Flughafen raus und werde mit lautem Blechgetöse und Trillerpfeifen begrüßt. Dann steige ich aus der Bahn aus und stehe vor einer riesigen Baustelle, während ein Clochard stöhnend und schreiend an mir vorbeiläuft. Die Fußgängerampel ahmt das Geräusch eines Kuckucks nach.

Um dem kommenden Jetlag ein Schnippchen zu schlagen, trinke ich einen Zimt Latte und esse ein riesiges Zimt-irgendwas. Holy shit…mein Zuckerbedarf ist für diesen Monat gedeckt.

Ich beschließe, mit meinem Koffer zum Hostel zu laufen. Sind ja nur 3 Kilometer… Als ich einen Mann mit Krücken überhole, schmeißt er seine Krücken in die Luft und schreit „Jesus Christ.“ Im Hostel selbst lerne ich auf der Treppenstufe eine Engländerin kennen, die mich total zuquatscht. Ich weiß jetzt alles über Housesitting, wo sie in Kanada noch hinwill und dass sie eigentlich Kuba sehen möchte. Nur: Wie sie heißt und ob sie sich nun ein Fahrrad kaufen oder mieten wird, das weiß ich nicht. Noch nicht.

Ich liebe diese Stadt jetzt schon. Sie erscheint mir etwas durchgeknallt. Oder es liegt an meinem Jetlag. Bei euch ist es gerade 14 Uhr, bei mir 5 Uhr morgens. Ziemlich abgefahren: morgens um 10 Uhr bin ich losgeflogen und um 11 Uhr morgens am gleichen Tag angekommen.

In ein paar Tagen treffe ich Lisa Berg. Dann cruisen wir durch British Columbia und Alberta. Wüstengegend ist wohl auch dabei. Ich bin gespannt, ob ich ein verschlafenes Städtchen finde, wo zwei alte Opas in der Mittagshitze auf quietschenden Schaukelstühlen sitzen und ein Pompon-Gestrüpp vorbeirollt.

Müssen jetzt alle 30 km/h schnell rennen? ;)

Mein Gehirn singt gerade einen Song mit Ohrwurm-Charakter: „Jetlaaaag, Jetlaaag, schau wie die Claudi im Bett läääääägt…“ Leider fehlt jetzt Lisa Berg für den klassischen Jetlag-Talk. Mit ihr kann man richtig gute Jetlag-Gespräche führen:

„Kommen die Delfine direkt an den Campervan?“ „Nein, du musst schon rausfahren.“

„Soll ich den Schlüssel mitnehmen oder soll ich gleich klopfen?“ „Weiß nicht, nimm mal lieber die Tür mit.“

„Ich weiß nicht, ob es im Nebelwald nachmittags auch noch nebelig ist.“

In meinen Entwürfen habe ich zum Thema „Jetlag“ noch das hier entdeckt:

Neuseeland: Tolkien hatte recht. Im Elbenland muss man eben auch andere Sprachen zu Wort kommen lassen. Und wenn mein Sprachzentrum aussetzt, dann klingt das eben wie eine neue Sprache. Wer mir zuhört, würde durchaus auch elbische Sounds wahrnehmen. In diesen Momenten empfiehlt es sich, die Informationen sofort auf den Punkt zu bringen, was ich selbstverständlich grandios meistere. Wie beispielsweise hier:

„Rasberry ist Himberry.“

„Wasche“ (= Weinflasche)

„Wlderf“ (= Walldorf, wobei hier einer der Muppet-Opas gemeint ist)

Ebenso sinnvoll ist es, die Welt einfach mal auf den Kopf zu stellen und dort stehen zu lassen.

PS: Fehler in diesem Text sind extra und absolut erlaubt ;)

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